Wie sprechen die Banater Schwaben?

Die neuzeitlichen Siedler im ungarischen Donauraum werden von ihren Nachbarn Schwaben genannt (ungarisch sváb, rumänisch svab, serbokroatisch švaba), wenngleich sie nur teilweise Abstammungsschwaben sind. Eigentlich sind es "Nennschwaben", wobei ihre Bezeichnung verschiedene Ursachen hat. Eine große Zahl der ersten nachtürkischen Ansiedler ist tatsächlich aus schwäbisch-alemannischen Sprachgebieten, zumeist in den"Ulmer Schachteln", auf dem Donauweg ins Banat gekommen. Auch unter den entlassenen Soldaten befanden sich viele Schwaben. Nach den Seuchen des 18. Jahrhunderts kamen an ihre Stelle vorwiegend Franken und Bayern, auf die der Name Schwaben übertragen wurde, ähnlich wie alle mittelalterlichen Siedler in Südosteuropa mit dem Sammelnamen Sachsen bezeichnet wurden.

Trotz des relativ kurzen Zusammenlebens (vom kaiserlichen Impopulationspatent 1686 bis zur Flucht und Aussiedlung nach 1945) konnten die aus verschiedenen Gebieten Mittel- und Südwestdeutschlands, Österreichs und der Nordschweiz stammenden Siedler durch intensive Mischung und Ausgleich von Sprache, Kultur, Wirtschaftsweise, von Bräuchen und Lebensformen sowie durch die Ausgleichswirkung der österreichischen Verwaltung und der bairisch-österreichischen Umgangssprachen der Städte eine relative Einheit erreichen. Aus der Vielfalt der mitgebrachten Dialekte haben sich größere Sprachgebiete herausgebildet.

Vom vortrianonischen Banat (mit Zentrum Temeswar) blieb ein kleiner Teil bei Ungarn, während ein Drittel zu Jugoslawien und zwei Drittel zu Rumänien kamen. Unabhängig davon blieben die ausgebildeten Dialektlandschaften vorhanden. Faktoren wie Schriftnähe der Mundart, d. h. Verständlichkeit für alle Siedler eines Ortes, Stützung durch benachbarte Ortsdialekte, sprachliches Vorbild von herausragenden Persönlichkeiten der Gemeinde usw. haben im Laufe der Sprachentwicklung zur Vorherrschaft der rheinfränkischen Dialekte im Banat geführt. Neben dem mitteldeutschen rheinpfälzischen Kerngebiet (mit Wortformen wie:Äpplche, ich sinn geloff, du bischt/bist, er hat geruf, sie get geruf, Worscht, Seef, deheem, War’s net gischter gween? Johre senn wie Stunne ...) gibt es am nordwestlichen Rand kleine oberdeutsche ostfränkische undsüdfränkische Dialektgebiete (Heisala/Haisele, du musst/ muscht gehe) und den hochalemannischen Dialekt von Saderlach (wo es heißt: es Chindli ischt am Zieschtig [Dienstag] ckranck gsie, d'Liet [Leute] chummet in mienHuus, gang [geh], bisch so guet, Suurchrijesli - Sauerkirsche usw.). Oberdeutsch sind auch die nordbairischen (böhmischen) Dialekte im Banater Bergland (enge Muetta soll des Gwand nahn, e Stickedl weißi Soifa, weifül Breut [Brot] wüllt's hoom?) und die bairisch-österreichischen Stadtsprachen, unter deren Einfluss bairische Einflüsse (Formen des Dualpronomens ös, eng, enger und viel bairisches Wortgut, von Agrasl bis Ringlspiel) in manchen Ortsdialekten auftreten

Bairisch-österreichische Dialekte verschiedener Ausprägung, wegen der unterschiedlichen Herkunft der Siedler (sieben Sprachn red mer, und alli sinn deitsch), spricht man in städtischen Siedlungen des Banats wie: Ferdinandsberg, Franzdorf, Karlsdorf, Lugosch, Orawitz, Reschitza, Steierdorf und in Temeswar, wo bekanntlich in der „Tirolergasse“ 1818 Tiroler aus dem Banater Ort Königsgnad angesiedelt wurden. Stadtsprachen gab auch in den Städten Weißkirchen und Werschetz (in Serbien). Die Entwicklung erfolgte von der ursprünglichen Temeswarer Stadtsprache Wiener Prägung zu einer Umgangssprache, unter dem Einfluss der Vorstädte und der umliegenden fränkischen Dialekte, bis zum Temeswarer Slang des 20. Jahrhunderts, der viele fremdsprachliche Entlehnungen aufgenommen hat und seinerseits auf alle Temeswarer Verkehrssprachen austrahlt. Beispiele daraus etwa: raffinierter wie sechs Panduren, dem Dreck a Watschn gebm, vaputz dich, und gar die Verwünschung: Auf de Lloydzeiln sollst ohne Untahosn stehn und Christus soll dir in Rózsa Sándor ins Haus schickn! Doch ein Uhrmacher erinnerte sich an seine Gesellenzeit um 1906 und meinte 1979 rückblickend: Temeswar, ja das war damals eine schöne, gemütliche Stadt! (...) Die Tore, die Festung, is alles noch gstandn!(...) Und ich hab imme gsagt späte: Temeswar, das ist das zweite Wien. Da bin ich dann auch geblieben, bis heite.

          Dialekte muss man hören, um sie richtig zu verstehen. Dennoch kann man ihre Besonderheiten auch aus einem Mustersatz (für den "Deutschen Wortatlas", der neben vielen anderen auch für einen "Banater Sprachatlas" in der Materialsammlung bereitsteht) herauslesen. Dieser Satz lautet hochdeutsch:

Es hört gleich auf zu schneien, dann wird das Wetter wieder besser.

Hier folgt die Übertragung in repräsentative Banater Dialekte 1. von Bogarosch (pfälzisch), 2. Lenauheim (westpfälzisch-moselfränkisch), 3. Billed (moselfränkisch-pfälzisch), 4. Guttenbrunn (hessisch-odenwäldisch), 5. Glogowatz (südfränkisch), 6. Matscha (ostfränkisch), 7. Saderlach (hochalemannisch), 8. Weidental (nordbairisch), 9. Steierdorf (bairisch-österreichisch)

1. Es härt glei uff zu schneje, no get 's Wedder widder besser. (Bogarosch)

2. 's hiert glei uff zu schnieje, no get's Wätter nommal besser. (Lenauheim)

3. Es hiert gleich uff zu schneje, dann wärd et Wädder nommol besser. (Billed)

4. Es heärt glei uff zu schneiche, not wärd des Wedder widde besse. (Guttenbrunn)

5. 's härt glei uff zu schneiwe, no wärd's Wädde widrum besser. (Glogowatz)

6. Eas härt gleich auf zu schneie, no wäd as Wätta wiede besse wäan. (Matscha)

7. Äs hert glie uff mit schneie, un nomm wärd's Wetter widdr besser. (Saderlach)

8. Bol heart's zen schneem auf, un nochend wird's Weedr widde besse. (Weidental)

9. Es häet gleich auf zu schnein, un dann wäd es Wette wiede besse wän. (Steierdorf)

          Die Banater Schwaben werden auch im 21. Jahrhundert nicht aussterben. Die junge Generation der weltweit zerstreuten Landsleute ist gerade dabei, über die neuen Medien den Weg zueinander zu finden. Sei es über das Hochdeutsche oder eine andere Weltsprache, ist dennoch für manche jungen Leute von Interesse, wie die Großeltern zu Hause gesprochen haben, wie sie gelebt und was sie hinterlassen haben. Und hier werden die ersten Anleitungen zu einer möglichen Spurensuche gegeben.

Hans Gehl

Oweds am Brunnen

Oweds an de Brunne gehn
Un de Sandkruch fille,
eemoll norr mecht ich dort stehn
und mei Dorscht noch stille!

Eemoll noch die Hand ans Rohr
So wie domolls halle,
dass die Troppe, glitzrich klor,
in die Kauschl falle.

Domolls? - War`s net gischter gween?
Johre sin wie Stunne. -
Tief im Wasser leit e Stehen,
tiefer is de Brunne ...

Die Akaze dufte schwer
un´ es Dorf werd stiller;
aus me Garte schallt bis her
noch e Amschltriller.

 

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